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Wasserhärte

Wasserhärte ist ein Begriffssystem der angewandten Chemie, das sich aus den Bedürfnissen des Gebrauchs natürlichen Wassers mit seinen gelösten Inhaltsstoffen entwickelt hat. Konkret wird mit Wasserhärte die Äquivalentkonzentration der im Wasser gelösten Ionen der Erdalkalimetalle, in speziellen Zusammenhängen aber auch deren anionischer Partner bezeichnet. Zu den „Härtebildnern“ zählen im Wesentlichen Calcium- und Magnesiumionen sowie in Spuren Strontium- und Bariumionen. Die gelösten Härtebildner können unlösliche Verbindungen bilden, vor allem Kalk und sogenannte Kalkseifen. Diese Tendenz zur Bildung von unlöslichen Verbindungen ist der Grund für die Beachtung der gelösten Erdalkalien, die zur Entstehung des Begriffs- und Theoriesystems um die Wasserhärte geführt hat.

  • Weiches Wasser ist günstiger für alle Anwendungen, bei denen das Wasser erhitzt wird, zum Waschen, zum Gießen von Zimmerpflanzen etc. Nachteilig ist jedoch die starke Schaumbildung bei Waschmitteln und die schlechte Entfernbarkeit von Seife z. B. beim Händewaschen. Weiches Wasser steht in Kristallin-Regionen mit Granit, Gneis, Basalt und Schiefer-Gesteinen zur Verfügung. Auch Regenwasser ist weich.
  • Hartes Wasser führt zur Verkalkung von Haushaltsgeräten, erhöht den Verbrauch von Spül- und Waschmitteln, beeinträchtigt oder fördert, je nach dem Maß der Härte, den Geschmack und das Aussehen empfindlicher Speisen und Getränke (z. B. Tee). Hartes Wasser kommt aus Regionen, in denen Sand- und Kalkgesteine vorherrschen.

 

Unterteilung in Härte-Anteile

Was man unter dem Begriff Wasserhärte subsumiert, ist ein System verschiedener miteinander gekoppelter chemischer Gleichgewichte. Diese sind zum einen die Löslichkeitsgleichgewichte zwischen den verschiedenen Erdalkali-Ionen und den zugehörigen Carbonat- und Sulfat-Fällungsprodukten (Calcit, Dolomit, Schwerspat, Gips etc.). Untrennbar damit gekoppelt ist zum anderen das Lösungs- und Dissoziationgleichgewicht des Kohlenstoffdioxid-Kohlensäure-Carbonat-Systems. Die im Folgenden dargestellte gängige Einteilung der Härte in verschiedene Unterbegriffe greift einzelne Teilaspekte dieses komplexen Gleichgewichtssystems heraus und benennt jeweils deren quantitativen Anteil.

Die Gesamthärte gibt die Summe der Konzentrationen der Kationen von Erdalkalimetallen in Wasser an. Diese Kationen haben eine große, positive physiologische Bedeutung, stören jedoch bei einigen Verwendungen des Wassers. So bilden ins Wasser eingebrachte Seifen mit diesen Kationen unlösliche Kalkseifen, die über keine Reinigungswirkung mehr verfügen. Beim Waschen von Textilien in Wasser mit hoher Gesamtwasserhärte führen die Kalkseifen zu einer Verunreinigung der Textilen. Seifen zählen zu den anionischen Tensiden und sind besonders empfindlich gegenüber hartem Wasser. Die Waschleistung von anderen, modernen Tensiden in Waschmitteln wird dagegen kaum von der Wasserhärte beeinträchtigt. Trotzdem enthalten die Waschmittel zu etwa 30 % Substanzen, die hartes Wasser enthärten. (siehe auch Baukastenwaschmittel und Wasserhärte und Waschen)

In Bezug auf die Wasserhärte ist die Konzentration des Anions Hydrogencarbonat (HCO3−) von spezieller Bedeutung. Man bezeichnet die Konzentration an Hydrogencarbonationen bzw. den hierzu äquivalenten Teil der Erdalkalimetallionen als Carbonat-, temporäre oder vorübergehende Härte. Ein Wasser befindet sich im sogenannten Kalkkohlensäure-Gleichgewicht, wenn es gerade soviel Kohlenstoffdioxid, enthält, dass es gerade keinen Kalk abscheidet, aber auch keinen Kalk lösen kann. Wird einem solchen Wasser Kohlenstoffdioxid entzogen, bilden sich schwer lösliche Verbindungen wie Calcit und Dolomit als besonders schwer lösliches Mischcarbonat (Kessestein, Seekreide). Das hängt von dem komplexen temperaturabhängigen Calciumcarbonat-Kohlensäure-Kohlenstoffdioxid-Gleichgewicht (oft vereinfacht als Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht bezeichnet) ab. Aufgrund der Temperaturabhängigkeit dieses Gleichgewichtssystems bilden sich auch Ablagerungen bei der Bereitung von Heißwasser (Warmwasseranlagen, Kaffeemaschinen, Kochtöpfe). In den Gewässern findet ein entsprechender Prozess als „biogene Entkalkung“ in Folge des durch die Photosynthese von Wasserpflanzen und Planktonalgen verursachten Verlustes an Kohlenstoffdioxid statt.

Als Nichtcarbonat-, permanente oder bleibende Härte bezeichnet man den Teil der Gesamtwasserhärte, der nicht an Hydrogencarbonat bzw. Carbonat gebunden ist und daher prinzipiell nicht als Calcium- oder Magnesiumcarbonat aus dem Wasser entfernt werden kann. Dieser nicht entfernbare Anteil ist durch Anionen wie z. B. Chloride, Nitrate und Sulfate ausgeglichen („gebunden“). In welchen unterschiedlichen Konzentrationen diese Anionen genau vorliegen, spielt in Bezug auf die Wasserhärte keine Rolle, gibt aber Auskunft über die Herkunft dieser Anteile. Tatsächlich beeinflusst aber diese permanente Härte ganz entscheidend das Fällungsverhalten der Carbonathärte-Anteile, weil die somit erhöhten Konzentrationen an Calcium und Magnesium in die Rechnung der Ionenprodukte mit dem Carbonat eingehen und somit die Schwellenwerte z. B. der „zugehörigen Kohlensäure“ für das Eintreten der härtetypischen Fällungsreaktionen erhöhen.

Oft werden auch die Konzentrationen von Magnesium- und Calciumionen getrennt bestimmt und dann als „Magnesiumhärte“ bzw. „Calciumhärte“ bezeichnet. Ihre Summe entspricht in guter Näherung der Gesamtwasserhärte.

Einheiten und Umrechnungsfaktoren

Nach dem SI-Maßsystem wird der Gehalt der Erdalkaliionen, also die Gesamthärte in Mol pro Liter, bzw. angesichts der geringen Konzentrationen in Millimol pro Liter (mmol/l) angegeben.

Die Wasserhärte wurde früher in Grad deutscher Härte (°dH) angegeben. Dabei war 1 °dH formal als 10 mg CaO je einem Liter Wasser definiert. Die anderen Härtebildner wie Magnesium wurden als hierzu äquivalente Menge (7,19 mg MgO pro Liter) definiert. Später wurde die Angabe der Wasserhärte in der praxisgerechten Stoffmengen-Äquivalenzeinheit Millival pro Liter (mval/l) verwendet. Heute sind gesetzlich die oben genannten molaren Angaben gefordert, ungeachtet der praktischen Erfordernisse.

In anderen Ländern waren oder sind andere Maßeinheiten in Gebrauch, die jedoch nur eingeschränkt vergleichbar sind. Vergleichbar werden sie, wenn man ein Standard-Ionenverhältnis annimmt. Das ist möglich, weil die meisten natürlichen Wässer eine relativ ähnliche Kationenverteilung aufweisen, unabhängig vom Gesamtsalzgehalt. Nur unter dieser Voraussetzung ist die folgende Tabelle zur Umrechnung anwendbar:

Umrechnung für die Einheiten der Wasserhärte
   
°dH
°e
°TH
ppm
mMol/l
 Deutsche Grad
1°dH = 
1
1,253 
1,78
17,8
0,179 
 Englische Grad
1°e = 
0,798 
1
1,43
14,3
0,142
 Französische Grad 
1°TH = 
0,560
0,702
1
10
0,1
 CaCO3 (USA)
1 ppm = 
0,056
0,07
0,1
1
0,01
 mMol/l
 1 mMol/l = 
5,6
7,02
10,00 
100,0 
1

Tabelle nach: H. J. Krause, Handbuch Aquarienwasser, bede-Verlag. Natürliches Wasser kann je nach Herkunft eine sehr unterschiedliche Härte aufweisen.

  • Regenwasser hat 0 °dH; auch Wasser das überwiegend aus Regenwasser besteht, wie z. B. Flüsse tropischer Regenwaldregionen haben oftmals eine Härte von weniger als 1 °dH. Sonst bestimmt das Gestein aus dem das Wasser stammt, den Mineralgehalt.
  • Ebenfalls sehr weiches Wasser mit 1 bis 2 °dH findet man in Gebieten mit Granit , Gneis oder Basalt .
  • In Sandsteinregoinen liegt die Härte höher, sehr unterschiedlich je nach Kalkgehalt das Gesteins.
  • Sehr harte Wässer über 20 °dH stammen aus Kalk -, Gips - oder Dolomitregionen .

Nach der Eignung zum Waschen lässt sich folgende Einteilung treffen:

  • Weiches Wasser bis etwa 8 °dH ist gut zum Waschen geeignet, braucht wenig Waschmittel ,
  • Mittelhartes Wasser mit 8-17 °dH braucht mehr Waschmittel,
  • Hartes Wasser hat 18-30 °dH, braucht viel Waschmittel und bildet beim Erhitzen viel Kesselstein.

Eine ähnliche Klassifizierung mit der Stufung I, II, III und IV, findet sich auf den Waschmittelpaketen wieder, verbunden jeweils mit einem Symbol, welches die zur jeweiligen Wasserhärte benötigte Menge Waschmittel darstellt (z.B. ein Schäufelchen). Um Waschmittel einzusparen muss man die örtlich vorhandene Wasserhärte kennen und liest dann auf der Packung die dazu gehörenden Waschmittelmenge ab. Die Wasserversorgungsunternehmen teilen dem Kunden die örtliche Wasserhärte mit oder verschicken Aufkleber, welche man zweckmässigerweise auf die Waschmaschine klebt.

Bestimmung der Wasserhärte

Man kann die Wasserhärte bestimmen durch Komplexbildungstitration mit dem Dinatriumsalz der Ethylendiamintetraessigsäure ( EDTA , Handelsname: Titriplex III). Es bildet mit den Kalzium - und den Magnesiumionen mit genügend großer Reaktionsgeschwindigkeit einen löslichen, stabilen Chelatkomplex im Verhältnis 1:1. Zoogeschäfte mit guter Aquarienabteilung bieten preiswerte und einfach handhabbare Testsets für Gesamthärte, Carbonathärte und viele andere Inhaltsstoffe des Wassers sowie zur pH-Wert -Bestimmung an. Noch einfacher zu handhaben sind Teststreifen zum Eintauchen, sie kosten allerdings etwas mehr.

Entfernung der Wasserhärte

Die Wasserhärte lässt sich verringern durch Wasserenthärter (Ionenaustauscher , Komplexbildung mit Polyphosphaten) und durch Umkehrosmose .

Wasserhärte in einigen deutschen Städten

  • Augsburg: 13,90 °dH [2,48 mmol/l]
  • Bremen: 7 °dH
  • Dortmund: 8 °dH
  • Konstanz: 8,8 °dH (6,8 °dH Carbonhärte)
  • Hamburg: 10 °dH
  • Karlsruhe: 17 - 18 °dH
  • Köln linksrheinisch: 18.4 - 21.6 °dH
  • Köln schähl sikk: 14.6 - 18 °dH
  • Krefeld: 24 °dH
  • Marburg: 6 - 14 °dH
  • München: 15,7 °dH
  • Würzburg: 37 °dH